Das Netzwerk

Prof. Dr. Thomas Göllinger

ist Professor für Energie- u. Ressourcenwirtschaft, Organisation sowie Nach­haltigkeit an der Hochschule Konstanz (HTWG). Zuvor war er nach Promotion und Habilitation an der Universität Siegen als Projektleiter und Institutsvorstand beim Institut für Ökologische Betriebswirtschaft (IÖB) tätig. Aus systemisch-evolutorischer Perspektive wird die Frage nach Biokratie über die intersystemische Konkurrenz zwischen Bio­sphäre und Anthroposphäre angegangen. Mit zunehmender Eingriffstiefe in die Biosphäre entsteht die Gefahr einer gestörten Koevolution. Dem Verfasser geht es um die zentrale Frage: Wie ist naturangepasstes Wirtschaften im Kontext der Evolution von Bio- und Anthroposphäre möglich? Kenntnisse hinsichtlich der Funktionsprinzipien der Biosphäre sind nicht nur zur Begrenzung der Eingriffsintensität erforderlich, sondern auch wertvolle Informationen zur Gestaltung des anthropogenen Metabolismus. Zugleich sind diese potentiellen Innovationsfelder vor dem Hintergrund evolutionsökonomischer Erkenntnisse zu reflektieren.

Wir brauchen integrierte, systemische und evolutorische Nachhaltigkeitsstrategien.

Prof. Dr. Thomas Heupel

ist seit 2007 hauptberuf­licher Dozent und Professor an der FOM Hoch­schule in Essen. Seit 2009 ist er dort Prorektor für Forschung. Nach seinem betriebswirtschaft­lichen Studium an der Universität Siegen war Heupel wissenschaftlicher Mitarbeiter und daneben Projektleiter am Institut für Öko-logische Betriebswirtschaft (IÖB) sowie Ge­schäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung an der Uni­versität Siegen. Heupel sieht seinen Beitrag und den seiner Kollegen von der FOM-Hochschule in Essen zum Thema vornehmlich im Kontext von Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsethik. Es geht um gemein­wohlorientiertes Wirtschaften im weitesten Sinne.  

Umweltschutz ist für Unternehmen nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein Wettbewerbsfaktor.

Prof. Dr. Ralf Isenmann

ist Professor für Nachhaltiges Zukunftsmanagement, Hochschule München, und Privatdozent an der Universität Bremen, mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeitsmanagement, v.a. Sustainability Reporting und Industrial Ecology. Vor allem die Bionik auf der technischen Seite und die Organisation der Wirtschaft in Analogie zu natürlichen Stoffkreisläufen, so wie sie in der Industrial Ecology als Zielidee gilt, werden als Hoffnungsträger diskutiert. Isenmann setzt sich mit den Grundrissen eines neuen, als biophil ausgelegten Naturverständnisses und dessen Konsequenzen für das Naturverhältnis – v.a. im Umgang mit der Natur in der Ökonomie - auseinander. Seine Vision: von den als vorbildlich erachteten Innovationsquellen der Natur zu lernen: von ihren smarten Phänomenen, von den evolutionär erprobten Strategien im Umgang mit Stoff, Energie, Information, Raum und Zeit sowie von ihren funktionalen Grundprinzipien. Er will die bisher eher eng geführten, analytisch geprägten „Managementregeln nachhaltigen Wirtschaftens“ in ko-evolutionäre Strategien der Entscheidungsfindung und Leistungserbringung bzw. Organisation überführen.

Ein gerechter und ko-evolutionärer Austausch mit der Natur ist möglich.

Prof. Dr. Eckehard Krah

lehrt Innovationsmanage­ment an der Hochschule Mittweida und ist Do­zent am EC Europa Campus. Zuvor war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschungs­projekten an der Universität Siegen aktiv. Dort amtiert er gegenwärtig als Präsident der Jung-Stilling-Gesellschaft zu Siegen. In einer Kooperation mit der Universität Kaliningrad sowie dem International Center for Biosaline Agriculture in den arabischen Emiraten forschte Krah international und interdisziplinär. Sein Beitrag zu „Rechte der Natur/Biokratie“ knüpft daran an: Im Zu­sammenhang mit dem zentralen „Lebensmittel Wasser“ sieht er Biokratie als Aufgabe eines höchstqualifizierten Innovationsma­nagements auf der Mikro-, Meso- und Makroebene des Wirtschaf­tens.

Werden langlebigere Produkte konsumiert, so muss auch nicht ständig mehr gearbeitet werden, um kurzlebigere Produkte stetig neu zu beschaffen.

Prof. Dr. Georg Müller-Christ

hat seit 2001 die Pro­fessur Nachhaltiges Management an der Uni­versität Bremen inne. Sein Forschungsschwer­punkt liegt in der systemischen Untersuchung der Beziehungen der Entscheidungsprämissen von Unternehmen und Individuen zu einer nachhaltigen Entwicklung. Müller-Christ nähert sich dem Thema Rechte der Natur/Biokra­tie von seinem Arbeitsgebiet Nachhaltiges Management und Systemaufstellungen her. Er diskutiert in seinem Beitrag die sy­stemischen Beziehungen der Rechte von Mensch, Wirtschaft und Natur.

Wir werden gezwungen werden den Ressourcenaspekt in einem ganzheitlichen Sinne in unser Handeln mit einzubeziehen.

Prof. Dr. Eberhard Seidel

ist emeritierter Universitäts­professor an der Universität Siegen. 1989 gründe­te er dort das Institut für Ökologische Betriebswirt­schaft (IÖB), dessen Leiter er bis 2003 war. Zuletzt nahm Seidel im Bereich ökologieorientierter Betriebswirtschaftslehre/Umweltwirtschaft meh­rere Gastprofessuren im In- und Ausland wahr. Wenn Biokratie gesellschaftliche Wirklichkeit werden soll, sind die Rechte der Natur im Bereich menschlichen Wirtschaftens strikt zu respektieren und durchzusetzen. Eben dort werden sie perma­nent missachtet und verletzt.  In ihrem Hauptteil setzt die Schrift das Biokratie-Modell mit der Brundtland-Triade in Beziehung. Eine Organisationsanalyse aller denkmöglichen Konfigurationen der Triade von Arbeit, Kapital und Umwelt zeigt: Der Gleichrang von Arbeit, Kapital und Umwelt reicht für die Einlösung von Nachhaltigkeit nicht zu, der Umwelt gebührt dafür der alleinige Vorrang. Im Sinne von dessen Operati­onalisierung konzipiert die Schrift eine bioökologische erste und eine sozioökonomische zweite Kammer.

Wenn Biokratie gesellschaftliche Wirklichkeit werden soll, sind die Rechte der Natur im Bereich menschlichen Wirtschaftens strikt zu respektieren und durchzusetzen. Eben dort werden sie permanent missachtet und verletzt.

Prof. Dr. Volker Stahlmann

war bis 2010 Professor für Betriebswirtschaftslehre, Logistik, Produk­tion und Materialwirtschaft sowie Umweltver­antwortliche Unternehmensführung an der Ge­org-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg. Seither entwickelt er gemeinsam mit seiner Frau den denkmalgeschützten Bahnhof in Ottensoos / Bayern zu einem Forum für Nachhaltige Entwicklung mit inte­griertem Kunstmuseum.  Stahlmann entwickelt das Thema aus seinem Arbeitsgebiet „Öko­nomie der Nachhaltigkeit/Postwachstumsökonomie“. Er begreift Biokratie als eine Aufgabe menschlicher Lebenskunst. Es geht um die Gestaltung eines „gelungenen guten Lebens“ im Einklang mit der Natur.

Die Entwicklung einer ökozentrierten Gesellschaft in Deutschland könnte sodann mit Vorbildcharakter ein Gewinn für die gesamte Menschheit sein.

Prof. Dr. Eberhard K. Seifert

ist nach Tätigkeiten im Wuppertal-Institut an der Wirtschaftsuniver­sität Wien Prof. hon. für Ökologische Ökono­mik und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Warenkunde und Technologie (DGWT). In (inter-)nationalen Institutionen und Gremien ist er leitend tätig, z.B. als Beiratsvorsitzender im Verband für Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement (VNU) und diversen Normungsausschüssen.  Sein Zugang zu ‚Biokratie’ erfolgt über geschichtliche Denkstatio­nen der Ökonomietheorie und der Ökonomiephilosophie sowie über Formen der Lebensherrschaft; hierfür werden Exempel der Förderung mittels internationaler Standardisierungs-Aktivitäten thematisiert.

Die Naturvergessenheit muss überwunden werden.

Dr. Georg Winter

ist national wie international vielfach ausgezeichneter Umweltpionier – gründete das HAUS DER ZUKUNFT in Ham­burg. Bis 1995 war er Mitinhaber und Mitge­schäftsführer des Unternehmens Ernst Winter & Sohn in Hamburg und Norderstedt. Er wur­de dort ab 1972 zum Schöpfer des weltweit ersten „integrierten Systems umweltorientierter Unterneh­mensführung (Winter Modell)“.  In einem für die betriebswirtschaftliche Schriftenreihe richtungsweisenden Text, hält Georg Winter ein leidenschaftliches Plädoyer für die Rechte der Natur: „Die Mauer zwischen unserer tech­nischen Zivilisation und der Natur muss fallen! Ziel ist die Wiedervereinigung zwischen tech­nischer Zivilisation und Natur. Volle Anerken­nung und Durchsetzung von Rechten der Natur verlangen die Erweiterung der Demokratie zur Biokratie.“ 

Auch die Demokratie ist eine Staatsform, die der Fortentwicklung bedarf. Sie muss nicht nur jeden Menschen, sondern jedes Lebewesen ernst nehmen, die Brennessel wie den Kirschbaum, den Fisch, wie das Pferd.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel

ist seit 1995 Inhaber der Stiftungsprofessur „Betriebswirtschaftslehre, insbes. Betriebliches Umweltmanagement“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg am Standort Halle/Saale. Dem Studium der Öko­nomischen Kybernetik an der Technischen Uni­versität Magdeburg folgten dort Promotion und Habilitation.  Zabel nähert sich dem Thema „Rechte der Natur/Biokratie“ vom Konzept seiner „sustainability-gerechten Verhaltensnormierung auf der Basis genetischer Prägungen“. Lösungsraum ist die durch diese genetischen Prägungen vermittelte Einheit von Öko- und Psychosphäre. Es geht um die Gewinnung von Lebensdien­lichkeit durch einen zugleich sozial- und ökologieverträglichen Technikeinsatz.

Nachhaltigkeit ist unser Schicksal