"Harmony with Nature": Achter Interaktiver Dialog der UNO-Vollversammlung

Kathrin Gwiadzon: Umweltkrise ist eine Folge von Staatsversagen

Auf ihrer 63. Generalversammlung (2009) haben die Vereinten Nationen den 22. April  zum „Internationalen Tag der Mutter Erde“ bestimmt. Seitdem beschäftigt sich die UNO Hauptversammlung an diesem Tag mit der immer dringlicher werdenden Frage, wie die Menschheit ihr Zusammenleben so gestalten kann, dass wir dauerhaft im Frieden mit der Natur leben können. Die UN-Website „Harmony with nature“ dokumentiert diesen weltweiten Verständigungsprozess. 

Am 23. April 2018 fand der achte interaktive Dialog der Generalversammlung statt. Ziel der Aussprache war es die Bürger und Gesellschaften anzuregen, ihre Interaktion mit der Natur zu überdenken und die ethischen Grundlagen der Beziehung zwischen Mensch und Erde zu verbessern.

Kathryn A. Gwiazdon die seit 2005, die Arbeit der Biosphere Ethics Initiative maßgeblich mitgestaltet und 2016 das Center for Environmental Ethics and Law gegründet hat um die Arbeit der Biosphere Ethics Initiative voranzubringen, führte in ihrem Statement aus, welchen Beitrag das Rechtssystem leisten kann und muss, um ein Leben im Frieden mit der Natur zu ermöglichen.

Ihr Statement steht hier zum Download zu Verfügung. Hier geht es zu den Videoaufzeichnungen dieses achten interaktiven Dialoges der UNO. Kathryn A. Gwiadzons Rede beginnt nach einer Stunde, 46 Minuten der Aufzeichnung.

Einige wichtige Passagen ihre Rede wurden von uns sinngemäß übersetzt: 

Kathrin Gwiadzon: "Die Herausforderungen vor denen wir stehen möchte ich wie folgt zusammenfassen:

Erstens: Die Menschheit ist von der Natur in höchstem Grade abhängig. 

Zweitens: Alles was lebt ist mit einander verbunden. Was wir an dem einen Ort tun, hat Auswirkungen darauf, was andernorts geschieht. Das ist der Grund warum ökologisches Unrecht eine Frage von Gerechtigkeit und Fairness ist.

Drittens: Jedes Individuum, jede Gemeinschaft, jeder Sektor und jeder Staat trägt dafür Verantwortung unsere gemeinsame Zukunft zu beschützen und zwar in dem Umfang, in dem sie der Umwelt Schaden zugefügt haben und in dem Umfang, indem sie Wiedergutmachung leisten oder Gutes tun können. ..

Viertens: Es ist die wichtigste Aufgabe des Staates seine BürgerInnen zu beschützen. .. 

Staaten beruhen auf einem Gesellschaftsvertrag, den sie mit ihren BürgerInnen schließen. BürgerInnen geben gewisse Rechte auf und erhalten dafür das Recht vom Staat beschützt zu werden. Das ist die "Arbeitsgrundlage" zwischen BürgerInnen und Regierungen.

Das Bündnis zwischen Mensch, Staat und Natur geht aber darüber hinaus - ist noch umfassender und etwas heiliges. Natur ist Leben. Natur gibt und nimmt Leben. Natur ist die Grundlage für die komplexen biologischen und sozialen Beziehungen auf der Erde. Gleichzeitig wird die Natur heute sowohl von den sozialen und ökonomischen Verhältnissen beherrscht und von den konkreten Gesetzen, die wir machen, wie wir sie interpretieren und anwenden. Wir haben die Macht großen Schaden anzurichten und großes Unrecht zu begehen. Aber wir haben auch die Macht Gutes zu tun, das Richtige zu tun. 

Damit die Staaten ihrer Pflicht nachkommen können, Leben zu beschützen, muss unser Umweltrecht zu einem ökologischen Rechtssystem  weiter entwickelt werden. Ein Recht das interdisziplinär arbeitet, global und lokal, ganzheitlich und detailliert zugleich, wissensbasiert und der Tatsache Rechnung tragend, dass unser Wissen  begrenzt ist und wir daher das Vorsorgeprinzip anwenden müssen. Die Rechtswissenschaft muss sich zu einer "Earth Jurisprudence" weiterentwickeln, die auf ethischen Prinzipien basierend unsere besondere Stellung auf dieser Erde sowie die wichtigen Beziehungen zwischen alles was lebt berücksichtigt.  

 

Unser Rechtssystem muss die Rechte der Natur anerkennen - die natürlich auch die Rechte des Menschen einschließen.

Es ist die Hauptaufgabe von Staaten das Leben ihrer BürgerInnen zu beschützen. Das Leben ist aber darauf angewiesen, dass wir die Natur schützen, ihre biologische Vielfalt- und ihre Funktionsweisen. 

Wie oft müssen wir also noch darauf hinweisen, dass "business as usual" heute nicht mehr möglich ist? Wenn wir doch wissen, dass der Weg den wir gehen auf Dauer die Mitwelt vernichtet, und wenn alle Fakten belegen, dass die ökologische Krise immer weiter eskaliert, dann handelt es sich um ein Staatsversagen. Denn die Staaten versagen bei der Wahrnehmung ihrer obersten Pflicht, die darin besteht, Leben zu beschützen..."

 

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