Rückgang der Allerweltspflanzen ist berunruhigend

Allerweltspflanzen sind genauso wichtig

Hirseegge cc: Karelj

Die Hirseegge war in Deutschland - außer in den mitteldeutschen Trockengebieten - weit verbreitet. Inzwischen ist auch sie immer seltener zu finden.  Foto:  CC BY-SA 3.0 Karelj Wikimedia

Wir müssen uns mehr um die Arten kümmern, die nicht auf der roten Liste stehen 

Auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie in Münster präsentierten Anfang Oktober Prof. David Eichenberg  aus Rostock die Ergebnisse einer umfassenden Auswertung aller Kartierungen deren sie habhaft werden konnten. Die Forscher hatten sämtliche Aufzeichnungen über die Wuchs-Orte von rund 2.500 Pflanzenarten in Deutschland seit dem Jahr 1960 gesammelt und analysiert. Anlass war eine Untersuchung in Mecklenburg-Vorpommern, die zeigt, dass nicht nur seltene Arten, sondern vor allem "ganz normale" Allerweltspflanzen immer seltener zu finden sind. Und mit ihnen, die Lebensgrundlage sehr vieler Insekten, Vögel und anderer Tiere.

Die gesamtdeutschen Daten scheinen den ersten Befund aus Mecklenburg-Vorpommern zu bestätigen, werden aber nach Auskunft von David Eichenberg derzeit noch einmal einem wissenschaftlichen Reviewprozess unterworfen. 

Gegenüber dem Deutschlandfunk erklärte der Forscher vor wenigen Tagen, dass 76 Prozent aller Archaeophyten in ihrer Vorkommenswahrscheinlichkeit abnehmen. Sie hätten bereits drei Viertel ihrer früheren Lebensräume eingebüßt.

David Eichenberg: "Was wir zu meinem Erstaunen gefunden haben, ist, dass nicht die gefährdeten Daten – die, die auf unseren Roten Listen stehen –, am stärksten zurückgegangen sind zwischen 1980 und 2000, sondern die mittelhäufigen Arten. Die Arten, die mehr oder weniger überall vorkamen in der früheren Landschaft.“ Der Grund: Die Lebensräume der Archaeophyten schwinden: Moore, Feuchtwiesen und auch Agrarflächen. Der Biologe sprach auch über einen Zusammenhang mit dem Insektensterben. Der Forscher empfahl die Naturschutzpraxis  zu überdenken. Kleine Schutzgebiete hier und dort genügten nicht, um den Rückgang von Pflanzen- und Tierarten zu stoppen. Es gehe um grundlegende Veränderungen in der Landnutzung und um eine Abkehr von der Intensiv-Landwirtschaft auf eintönigen, artenarmen Äckern. 

 

Jansen F, Bonn A, Bowler DE, Bruelheide H, Eichenberg D.
Moderately common plants show highest relative losses. Conservation Letters.
2019;e12674. https://doi.org/10.1111/conl.12674

https://doi.org/10.1111/conl.12674

 

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