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Wir denken Freiheit falsch – Dialektik der Würde erklärt | Isa Bilgen

von Netzwerk Rechte der Natur

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Der Vortrag von Isa Bilgen eröffnet eine grundlegende Perspektive auf die ökologische Krise. Sie ist nicht nur eine Frage von Technik oder Politik, sondern Ausdruck eines bestimmten Verständnisses von Würde und Freiheit. In der modernen Tradition, geprägt durch Kant, wird Würde vor allem über Autonomie definiert. Der Mensch gilt als würdig, weil er sich selbst bestimmen kann und sich von der Natur abgrenzt. Dieses Verständnis hat Fortschritt ermöglicht, zugleich aber eine problematische Vorstellung von Freiheit hervorgebracht, nämlich als Verfügungsmacht über die Natur.

Bilgen entwickelt demgegenüber ein alternatives Konzept. Würde gründet nicht in Autonomie, sondern in Vulnerabilität. Gemeint ist die grundlegende Verletzlichkeit und Leidensfähigkeit von Lebewesen. Entscheidend ist die Fähigkeit zu leiden, Bedürfnisse zu entwickeln und ein eigenes Streben nach Entfaltung zu besitzen. Daraus folgt, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und andere leidensfähige Naturwesen als Träger von Würde verstanden werden müssen.

Dieses Verständnis verändert auch den Freiheitsbegriff. Freiheit ist nicht grenzenlose Selbstverwirklichung, sondern immer sozial und ökologisch eingebettet. Eine Freiheit, die ihre eigenen Voraussetzungen zerstört, etwa durch die Ausbeutung der Natur, wird selbst zerstörerisch. Selbstbeschränkung ist daher kein Gegensatz zur Freiheit, sondern ihre Voraussetzung.

Eine zentrale Rolle spielt das Gewissen. Es wird als Erkenntnisinstanz verstanden, die durch Empathie vermittelt wird. Das Gewissen ermöglicht, das Leiden anderer wahrzunehmen und moralisch zu berücksichtigen. Dadurch erweitert sich der Kreis der Verantwortung über den Menschen hinaus auf Tiere und Natur.

Auf dieser Grundlage formuliert Bilgen das Prinzip einer ökologischen Gleichheit. Unterschiede zwischen Arten bleiben bestehen, rechtfertigen jedoch keine grundsätzliche Herrschaft des Menschen über andere Lebewesen. Vielmehr entsteht ein neues Verständnis von Natur als Mitwelt, in der verschiedene verletzliche Subjekte miteinander verbunden sind.

Der Vortrag macht deutlich, dass eine würdebasierte Freiheitsordnung weitreichende Konsequenzen hat. Sie stellt bestehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen infrage, insbesondere solche, die auf unbegrenztes Wachstum ausgerichtet sind. Zugleich versteht Bilgen ihren Ansatz als offenen Prozess. Die Frage, wie sich diese Perspektiven rechtlich und politisch umsetzen lassen, bleibt eine zentrale Aufgabe für zukünftige Debatten.

Weitere Informationen zum Buch sowie die Möglichkeit zum Erwerb:
https://www.duncker-humblot.de/buch/dialektik-der-wuerde-9783428196678/?page_id=1

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VORSTÄNDIN NETZWERK RECHTE DER NATUR E.V

Christine Ax

+49 ​(0) 151 ​26691150

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