Lesenswert: Zoopolis - Eine politische Theorie der Tierrechte

Wir sind am Zug...

Die Diskussion um Tierrechte nimmt Fahrt auf und die Vision eines gleichberechtigten Miteinander bekommt immer konkretere Umrisse. Sue Donaldson und Will Kymlicka setzen sich in ihrem Buch ausführlich mit den ethisch-moralischen und ökologischen Diskursen um Tierschutz und Tierrechte auseinander, die sich ihrer Ansicht nach in einer Sackgasse befinden. Sie legen dar, warum weder der Tierschutz noch der Naturschutz als Fundament für  die Neugestaltung der Mensch-Tier Beziehungen taugen. Dem Tierschutz werfen sie vor, dass er die Tiere auf eine paternalistische Art und Weise von dem Menschen schützen will und Mensch und Tier voneinander trennen möchte.  Das halten sie für lebensfremd, weil  Mensch und Tier einander brauchen. Den Naturschützern werfen sie vor, dass sie im Zweifelsfall die „Gesundheit“ der Biotope über die Rechte von Tieren stellen und die unveräußerlichen Rechte von Tieren anderen Zwecken unterordnen.

Donaldson und Kymlicka  kommen zu dem Schluss, dass Tiere und Menschen zusammengehören und dass es darauf ankommt, dieses Zusammenleben  anders und neu gestalten. Sie beschäftigen sich ausführlich mit den spezifischen Bedürfnissen der Haustiere, der wild lebenden Tiere und der Tiere die als Kulturnachfolger mit uns leben. Auf Basis dieser Analysen, kommen sie zu einem differenzierten Bild, wie das Miteinander von Mensch und Tier aussehen kann. Ihr Vorschlag: Alle Tiere haben unveräußerliche Eigenrechte und dürfen nicht als Mittel zum Zweck behandelt werden. Domestizierte Tiere sollen Staatsbürgerrechte erhalten, wildlebende Tiere sollen als Bürger ihrer eigenen souveränen mit Rechten ausgestatteten Territorien anerkannt werden und Tiere, die mit uns leben aber nicht Teil unserer Haushalte sind oder genutzt werden, sollen einen Einwohnerstatus erhalten. Dabei gehen sie sehr ausführlich auf Details ein und räumen mit Mißverständnissen und Vorurteilen auf, die dazu führen, dass viele Menschen diesen Ideen mit so viel Unverständnis gegenüber stehen.  

Die Autoren schließen das Buch mit einer sehr schönen Analogie: "Man stelle sich aber vor, wie begeistert wir wären, wenn wir in einer anderen Galaxie auf einen Elefanten, einen Wal oder ein papageienähnliches Tier stießen. Wir würden nichts unversucht lassen, um etwas über dieses wunderbare neue Geschöpf in Erfahrung zu bringen, um seine Einzigartigkeit zu würdigen und nach Möglichkeit Kontakt aufzunehmen. Stellen wir uns vor, wie entsetzt wir wären, wenn jemand auf den Gedanken käme, diese Spezies zu töten, zu versklaven oder ihr die lebensnotwendigen Ressourcen zu nehmen. Doch genau das ist die Art und Weise, wie wir die einzigartigen und wundervollen Tiere behandeln, die gemeinsam mit uns den Planeten Erde bevölkern… „

Sue Donaldson und Will Kymlicka outen sich als „Star Trek“ Fans und deren Methoden der  interspezifischen Kontaktaufnahme, Koexistenz und Kooperation. Der erste Kontakt wird - in der Star Trek Saga - erst aufgenommen, wenn die unbekannte Spezies an der Schwelle zur intergalaktischen Raumfahrt steht und die Kontaktaufnahme wird den fähigsten Diplomaten der Konföderation anvertraut, die mit den besten wissenschaftlichen Methoden ausgestattet werden, um die Verständigung mit der unbekannten Spezies so leicht wie möglich zu machen.  Das wichtigste Ziel bei der Kontaktaufnahme ist stets keinen Schaden anzurichten und allen Spezies mit der gleichen Ethik des Respekts zu begegnen. Zitat:  „Dieser Respekt gilt ihrer jeweils eigenen, in einzigartiger Form anpassungsfähigen Intelligenz und ihrem ebenso einzigartigen Bewusstsein.“ (ca) 

Ihr Schlusssatz: "Wir sind am Zug". 

 

 

Zurück