Ein Abend (23.01.2026) über die Loisach wurde ein Abend über Mitwelt. Drei internationale Stimmen zeigten, warum Rechte der Natur global längst keine Randidee mehr sind. Und warum die entscheidende Frage nicht lautet, ob ein Fluss „groß genug“ ist, sondern ob wir bereit sind, Schutz ernsthaft zu prüfen und umzusetzen.
Als „philosophischer Abend“ war die Veranstaltung des Loisachbündnis angekündigt. Mehr als 80 Menschen folgten der Einladung ins Café Krönner in Murnau. Claus Biegert und Nico Döring hatten drei Gäste gewonnen, die die Frage nach den Rechten der Natur aus sehr unterschiedlichen Räumen beleuchteten: die Politikwissenschaftlerin Biancka Arruda Miranda aus Brasilien, die Menschenrechtsaktivistin Tjan Zaotschnaja aus Kamtschatka und den Philosophen Matthias Kramm aus Tübingen.
Matthias Kramm spannte einen globalen Bogen über die Entwicklung der Rechte der Natur. Er verwies auf mehr als 500 Initiativen weltweit und machte deutlich, dass Flüsse in dieser Bewegung eine Schlüsselrolle spielen. Seine Einordnung war mutig und konkret: Auch die Loisach könne, in ihrer Funktion und Symbolik, mit dem Whanganui River in Neuseeland verglichen werden, der bereits 2017 den Status einer Rechtsperson erhielt.
Mit Tjan Zaotschnaja bekam diese globale Perspektive eine historische Schärfe. Sie berichtete von den indigenen Völkern Kamtschatkas, deren Rechte in der Sowjetzeit unterdrückt wurden. Auch Landschaften, Flüsse und Berge wurden umbenannt. Das war mehr als ein Verwaltungsakt. Es war ein Bruch in der Beziehung zwischen Mensch und Mitwelt, ein Eingriff in Erinnerung und Orientierung, dessen Folgen bis heute spürbar sind.
Biancka Arruda Miranda brachte anschließend den Amazonas in den Raum. Sie las aus einem Gesetz, das einem Seitenarm des Amazonas eigene Rechte zuspricht. Für viele im Publikum wurde in diesem Moment greifbar, was es bedeutet, Natur nicht nur als Schutzobjekt zu behandeln, sondern als Rechtssubjekt ernst zu nehmen, ohne daraus ein bloßes Klageinstrument zu machen.
Zum Abschluss führte Nico Döring die Diskussion zurück an Isar und Loisach. Er beschrieb Entwicklungen im Naturschutz, würdigte kleine Fortschritte, benannte aber auch das Problem: Die fortgesetzte Gefährdung von Mooren und Flusslandschaften wird oft verwaltet, ohne die Ursachenlage ausreichend zu klären. Genau an dieser Stelle wird aus Debatte eine Prüfaufgabe.
In der Diskussion ging es um indigene Wurzeln entlang der Loisach, um Sprache als Wirkfaktor und um neue Wege, Schutz nicht nur zu fordern, sondern praktisch zu organisieren. Der Abend endete in lebhaften Gesprächen. Er machte deutlich, wie eng ökologische, kulturelle und sprachliche Fragen miteinander verbunden sind, und dass auch ein kleiner Fluss, wie die Loisach Teil einer weltweiten Bewegung sein kann.