Das Theater an der Ruhr in Mülheim/Ruhr hat am Wochenende 25./26.7. ein intensives Programm zum Verhältnis Mensch und Natur gestaltet. Vertreterinnen des Netzwerks Rechte der Natur waren hierzu eingeladen.
Zunächst debattierten zwei Mitglieder der Berliner Organismendemokratie im historischen Raffelspark miteinander - stellvertretend für unterschiedliche Lebewesen. Die Streitgespräche zwischen Bakterien, Pilzen, invasiven Pflanzen und Motten ließen die immensen Verflechtungen und Veränderungen zwischen allem Lebendigen fühlbar werden. In einem der letzten Dialoge wurde die Idee des historischen Parks diskutiert, in dem alles, alles so bleiben soll wie es vor vielleicht 100 Jahren angelegt wurde, während ringsum die natürliche Welt sich im Umbruch befindet.
Es folgte die letzte Aufführung von „Circus Oresteia“. Die Aufführung von Thomas Köck lehnte sich an die griechische Tragödie „Aischylos“ an und interpretierte diese als Fluch der Menschen in ihrer maßlosen Gier nach Energie. Dieser Gier wird alles geopfert; die Erde wird aufgerissen, die Wälder brennen, die Flüsse trocknen aus – ein bedrückend aktuelles Thema! Elektra und Orest, die Vertreter „der letzten Generation“ bringen ihre Mutter um, nachdem diese Agamemnon getötet hat, der wiederum den Tod der Tochter Iphigenie für seine Gier nach Erdöl billigend in Kauf genommen hat. In einer anschließenden Gerichtsverhandlung unter Leitung von Pallas Athene verklagt die Natur die Menschen – ein grandioses Bühnenbild mit leidenschaftlichen Schauspielern vor einer Erdkugel unter freien Himmel sorgt für einen langen Nachhall!
Diese Schlussszene bildete die direkte Überleitung zur Veranstaltung „Die Rechte der Ruhr“ am nächsten Tag, zu der das Theater eingeladen hat. Ein sehr guter Einführungsvortrag zeigte die Entwicklung dieses Flusses von der vorindustriellen Zeit bis heute auf. Die Ruhr entspringt im Sauerland, fließt durch das Ruhrgebiet und mündet in den Rhein. Fünf Millionen Menschen leben von ihrem Wasser, eine unglaubliche Zahl! Wie fast überall ist auch die Ruhr ihrer Nebenarme und Auenlandschaft beraubt, bis ans Ufer bebaut und hat Anfang des 20igsten Jahrhunderts den Tiefpunkt ihrer Zerstörung durch ungefilterte Abwässer aus Industrien und Haushalten erlebt.
Etwa 50 bis 60 Personen nahmen an der Veranstaltung teil und diskutierten in kleinen Runden, ob es eine Initiative für die Rechte der Ruhr geben könne. Eine der Gruppen nahm hierbei die Perspektive der Ruhr ein. Es war erstaunlich, wie unmittelbar und direkt die Anwesenden sich in den Fluss hineinfühlen konnten! Aufgrund des großen Interesses der Anwesenden, erklärte das Theater sich bereit, zu einer Folgeveranstaltung einzuladen.
Es war eine rundum gelungene Veranstaltungsserie, mit der das Theater an der Ruhr einmal mehr bewies, wie sehr Kultur zu gesellschaftlichen Veränderungen inspirieren und beitragen kann!