Stellungnahme

Zum Gastbeitrag von Felix Ekardt: Das Artensterben ist noch fataler als der Klimawandel

von Christine Ax

Tote Bienen verdeutlichen die Folgen unzureichenden Naturschutzrechts und die Kritik an der Ablehnung der Rechte der Natur

Nur selten bekommen anerkannte Expert*innen aus dem „Naturschutzlager“ die Möglichkeit, in der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“ zur aktuellen Lage Stellung zu nehmen. Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Arbeitskreises Artenschutz, nutzte seine Chance, um den Status quo zu beschreiben.

Seine Befunde:

  1. Artensterben und Biodiversitätsverlust sind gravierender als die Klimakrise.
  2. Sie bedrohen die Grundlagen menschlichen Lebens und damit die Menschenrechte.

Er stellt klar: Naturschutz ist kein Luxus, sondern ökonomisch zwingend. Die Kosten des heutigen Nicht Handelns übersteigen die „Reparaturkosten“, die auf uns zukommen.

Ekardt legt stringent und überzeugend dar: Das Naturschutzrecht ist fragmentarisch, es stellt die wichtigsten Treiber der Naturzerstörung nicht wirklich in Frage, etwa Agrarrecht, Tierhaltung oder Pestizide. Der Staat handelt also widersprüchlich, teils naturzerstörend, und hält sich noch nicht einmal an die eigenen Gesetze. Wir haben es mit einem institutionellen Versagen zu tun.

Unerwartet und ohne Not nutzt er den letzten Absatz für eine Polemik gegen die Rechte der Natur.

Warum eigentlich?

Warum nutzt Felix Ekardt die wenigen Zeilen, die ihm die DIE ZEIT Redaktion einräumt, zu diesem Zweck? Hat er nichts Wichtigeres zu sagen? Gibt es keine dringenderen Probleme, als die Forderung nach Rechten der Natur schlechtzureden?

Worum geht es ihm?

Ekardt möchte vor allem eines: die anthropozentrische Perspektive des deutschen Rechts absichern und dem wachsenden Zuspruch für den Paradigmenwechsel, der mit den Rechten der Natur einhergeht, vorbeugen. Er bezweifelt die Umsetzbarkeit und die praktische Durchsetzbarkeit. Zudem weist er auf das Problem hin, den ökosystemaren Zustand zu definieren, auf den die Natur einen Anspruch haben soll.

Auf die vielen Argumente für die Rechte der Natur als innovativen Zugang zur Weiterentwicklung des Rechts geht er nicht ein. Diese sind:

  • Für viele Rechts und Wissenssysteme ist Natur nicht nur „Bedingung für menschliches Leben“, sondern hat einen Eigenwert und verdient damit als Rechtssubjekt Schutz sowie die Anerkennung einer eigenen Würde. Eine Perspektive, die die normativen Grundlagen des Naturschutzes radikal verbessert.
  • Die alles beherrschenden anthropozentrischen Argumente haben über Jahrzehnte nicht verhindert, dass Biodiversität dramatisch verloren geht. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Perspektive rechtfertigt Mal um Mal die Zerstörung der Natur. Die Biodiversitätskrise und die Klimakrise zeigen, dass der Schutz des Lebens im Dienste menschlicher Interessen nicht nur nicht ausreicht, sondern selbst ein hinreichender Grund für menschliche Wachstums und Allmachtsphantasien ist. Vor allem wenn Natur eine Rechtspersönlichkeit erhält, wird es erstmals möglich, politische, kulturelle und gesellschaftliche Pflichten klar zu formulieren und ihnen Grenzen aufzuzeigen. Wirtschaftswachstum nur in den Grenzen der Natur.
  • Der rein juristische Blick auf dieses Thema führt in die Irre. Das dürfte dem Wissenschaftler Ekardt eigentlich klar sein. Der Mensch steht an einem Scheidepunkt: Ohne eine Neugestaltung seines Naturverhältnisses, ohne die große Wende hin zur Natur, fährt die Spezies Mensch, die selbst Natur ist, gegen die Wand. Die Natur würde dies überleben.
  • Dass die praktischen Fragen der Rechtsfindung und Rechtsprechung lösbar sind, muss Felix Ekardt durchaus klar gewesen sein, als er diese Zeilen schrieb. Ein Blick auf den Ecojurisprudence Monitor hilft, um die Vielfalt der Wege zu verstehen, die Politik, Gerichte, Zivilgesellschaft und indigene Gemeinschaften inzwischen gegangen sind, um die Rechte der Natur anzuerkennen und in ihr Handeln und Wirtschaften einzubeziehen.

Bleibt aus der Perspektive der Bewegung, die sich in Deutschland für die Rechte der Natur einsetzt, festzuhalten: Wir freuen uns, dass Prof. Dr. Dr. Ekardt unsere Bewegung so ernst nimmt, dass er seinen letzten Absatz in diesem Artikel ihr widmet. Es sieht so aus, als hätten wir in der jüngeren Vergangenheit große Fortschritte gemacht.

Gastbeitrag von Felix Ekardt vom 27. Dezember 2025:
„Das Artensterben ist noch fataler als der Klimawandel“
https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-12/artensterben-naturschutz-klimawandel-nachhaltigkeit-biodiversitaet

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Christine Ax

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