Eine Million Unterschriften sind erforderlich:
Am 27. März 2026 reichte eine Koalition zivilgesellschaftlicher Organisationen aus 14 EU-Ländern eine formelle Anfrage bei der Europäischen Kommission zur Registrierung dieser Europäischen Bürgerinitiative (ECI) ein, mit dem Titel:
„Rechte für die Natur: Bürger befähigen, Ökosysteme zu vertreten und zu schützen.“
Was wäre, wenn ein Fluss wie der Neckar sich vor Gericht verteidigen könnte?
Was wäre, wenn ein Wald denselben rechtlichen Status wie ein Unternehmen hätte?
Eine Koalition von Organisationen aus vierzehn EU-Mitgliedstaaten arbeitet daran, dies Wirklichkeit werden zu lassen, und sie wollen mehr als eine Million Europäer einladen, sich dem anzuschließen.
Und tatsächlich haben wir am 19. Mai gemeinsam einen ersten wichtigen Etappenerfolg auf dem Weg dorthin erzielt:
Die EU-Kommission hat unseren Antrag offiziell registriert und damit grünes Licht gegeben, die Vorbereitungen für die Unterschriftensammlung zur Bürgerinitiative zu beginnen.
- Das Instrument ist eine Europäische Bürgerinitiative.
- Ihr Ziel: ein grundlegender Wandel im EU-Recht, bei dem Ökosysteme als juristische Personen mit dem Recht auf Existenz, Regeneration und Verteidigung vor Gericht anerkannt und gewöhnliche Bürger befähigt werden, als ihre Vertreter zu agieren.
Der Neckar ist ein solches Ökosystem, das von dieser Initiative stark profitieren könnte und die bereits im Rahmen der Bundesgartenschau 2024 in Mannheim ergriffenen Maßnahmen weiter unterstützen würde.
Die heutige Veranstaltung, das Neckar-Tribunal, trägt zur Sensibilisierung und Anregung der Zivilgesellschaft bei, damit diese zum „Wächter des Neckars“ werden könnte, wie z. B. Bürger in Frankreich und Belgien ihr zivilgesellschaftliches Engagement für ihre Flüsse nennen.
Ich möchte mein Plädoyer für den Neckar mit einer kleinen Anekdote aus meiner Kindheit schließen:
Als ich etwa 1 bis 2 Jahre alt war, war ich mit meinen Eltern entlang des Neckars spazieren und nahm dazu auch meinen geliebten „Steiff“ Plüschhund mit, den mir mein Patenonkel kürzlich geschenkt hatte. In dem Alter konnte ich noch nicht wirklich zwischen meinem Spielzeug und echten Hunden, die ich im Wasser schwimmen sah, unterscheiden. Folglich wollte ich auch meinem Plüschhund ein erfrischendes Bad im Fluss gönnen, damit er sich mit den anderen Hunden im Wasser vergnügen könne, und habe ihn kurzerhand ins Wasser geworfen ... Aber, Sie kennen den Ausgang, er kam nie zurück.
In gewisser Weise fühlt es sich heute nun so an, als würde ich zu diesem Moment des verlorenen Spielzeugs zurückkehren, das symbolisch für das verlorene Ökosystem Neckar stehen könnte, und es auf einer Meta-Ebene wieder zurückbekommen können, womit sich der Kreis schließe:
- wenn wir nämlich den Gedanken zulassen: Was verloren ging, kann wieder gewonnen werden,
- eröffnet es eine Möglichkeit, diesen Fluss mit ganz anderen Augen zu sehen: nicht als etwas, das wir uns weiter untertan machen und ausbeuten, als Eigentum betrachten, das keinen Eigenwert hat, sondern mit dem wir gemeinsam gedeihlich zusammenleben und wir deshalb seine Existenz als solche achten wollen,
- weil wir erkennen, dass wir Teil dieser Natur sind, von der auch der Fluss ein Teil ist, und das Wohlergehen dieses Flusses auch mit unserem Wohlergehen zusammenhängt,
- daraus folgt, dass ein Fluss, ein Ökosystem, als lebendige Einheit mit einem Eigenwert und folglich Grundrechten anzusehen ist,
- unsere Europäische Bürgerinitiative will ein Geschenk an die Natur sein: an all seine Flüsse, Moore, Seen, Berge und Wälder … und dass damit
Der Neckar auch zur Rechtspersönlichkeit wird