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Panama und For Nature unterzeichnen strategisches Abkommen zur Förderung einer allgemeinen Erklärung der Rechte der Natur bei den Vereinten Nationen

von Netzwerk Rechte der Natur

Harpyie steht am Boden in einem Naturreservat in Panama, umgeben von dichter tropischer Vegetation.
Die Harpyie ist der Nationalvogel Panamas und lebt in geschützten Waldgebieten wie Naturreservaten. Foto: Anibal Paradisi, prexels

Im April 2026 haben die Regierung von Panama und die Initiative For Nature eine strategische Vereinbarung unterzeichnet. Die Vereinbarung soll dazu beitragen, die internationale Dynamik hin zu einer Allgemeinen Erklärung der Rechte der Natur zu stärken und den Prozess auf Ebene der Vereinten Nationen weiter voranzubringen.

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von Panamas Umweltminister Juan Carlos Navarro und Callie Veelenturf, Gründerin von For Nature und Geschäftsführerin von The Leatherback Project.

Die Vereinbaurung soll dazu beitragen, die internationale Dynamik hin zu einer Allgemeinen Erklärung der Rechte der Natur zu stärken. Diese Erklärung zielt darauf ab, Natur nicht nur als schützenswertes Objekt zu betrachten, sondern als Rechtssubjekt mit eigenen, inhärenten Rechten, darunter das Recht zu existieren, sich zu regenerieren und wiederhergestellt zu werden. Der Schritt ist Teil einer wachsenden internationalen Bewegung, die auf eine grundlegende Neuausrichtung des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur abzielt.

Panama hat bereits 2022 einen zentralen rechtlichen Meilenstein gesetzt. Mit dem Gesetz Nr. 287 „Gesetz zur Anerkennung der Rechte der Natur und der damit verbundenen Pflichten des Staates“ (Que reconoce los derechos de la naturaleza y las obligaciones del Estado relacionadas con estos derechos)wurde Panama das dritte Land weltweit, das die Rechte der Natur auf nationaler Ebene anerkannt hat, nach Ecuador und Bolivien.

Das Gesetz verankert umfassende Rechte der Natur, darunter:

  • das Recht zu existieren und zu bestehen
  • das Recht auf Regeneration natürlicher Lebenszyklen
  • das Recht auf Wiederherstellung nach Schäden

Es verpflichtet sowohl staatliche Institutionen als auch Bürgerinnen und Bürger, diese Rechte zu respektieren und zu schützen. Zudem integriert es zentrale ökologische Rechtsprinzipien wie das Vorsorgeprinzip sowie „in dubio pro natura“. („Im Zweifel für die Natur.“)

Besonders bedeutend ist, dass das Gesetz bereits in der Exekutive, Legislative und Judikative angewendet wird. Es ist damit nicht nur symbolisch, sondern praktisch wirksam und hat bereits Einfluss auf Umweltentscheidungen, Gesetzgebung und Gerichtsverfahren genommen. Es zeigt, dass ein naturzentriertes Rechtsverständnis in der staatlichen Praxis umsetzbar ist.

Die Bedeutung dieses Ansatzes wurde 2025 international gewürdigt, als das panamaische Gesetz Nr. 287 mit dem World Future Policy Award ausgezeichnet wurde. Diese Auszeichnung ehrt weltweit politische Strategien, die innovative Antworten auf globale Herausforderungen wie Umweltzerstörung und Klimakrise bieten.

Im internationalen Kontext wird die Entwicklung der Rechte der Natur seit vielen Jahren durch verschiedene zivilgesellschaftliche, wissenschaftliche und politische Prozesse begleitet. Ein zentraler Rahmen ist das UN-Programm „Harmony with Nature“, (Harmonie mit der Natur) das die Vereinten Nationen seit Jahren als Plattform für die Weiterentwicklung ökozentrischer Rechtsansätze nutzen. Es fördert den Dialog über die rechtliche Anerkennung der Natur und den Übergang zu einer sogenannten Eco-Jurisprudence (ökologische Rechtswissenschaft), die den intrinsischen Wert der Natur in rechtliche und politische Entscheidungsprozesse integriert.

Im Rahmen dieses Prozesses fand im vorherigen Jahr rund um den Internationalen Tag der Erde (Mother Earth Day) am 22. April 2025 das UN High-Level Meeting „Harmony with Nature and Living Well“ (hochrangiges UN-Treffen ‚Im Einklang mit der Natur und ein gutes Leben) in New York statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Universitäten und UN-Mitgliedstaaten diskutierten dort die weltweite Entwicklung der Rechte der Natur. Die Veranstaltung zeigte, dass entsprechende Rechtsansätze bereits in zahlreichen Ländern angewendet werden und zunehmend in internationale Debatten einfließen. Auch das Netzwerk Rechte der Natur war Teil dieses Austauschs und brachte Perspektiven aus Deutschland in den UN-Kontext ein. Das Statement können Sie hier nachlesen.

Die Bewegung für die Rechte der Natur markiert insgesamt einen grundlegenden Wandel: von der Betrachtung der Natur als Eigentum hin zur Anerkennung als Teil einer vernetzten Lebensgemeinschaft. Verwurzelt in indigenen Weltanschauungen und weiterentwickelt durch jahrzehntelange rechtliche und philosophische Arbeit, hat sie weltweit an Bedeutung gewonnen. Dazu zählen die verfassungsrechtliche Anerkennung in Ecuador im Jahr 2008 sowie nachfolgende Rechtsrahmen und Gerichtsurteile in über 40 Ländern.

Dazu zählt unter anderem die Allgemeine Erklärung der Rechte der Mutter Erde (Universal Declaration of the Rights of Mother Earth), die 2010 in Cochabamba auf der World People’s Conference on Climate Change and the Rights of Mother Earth vorgestellt wurde. Diese Erklärung versteht die Erde als lebendiges System mit inhärenten Rechten und formuliert entsprechende Pflichten für Staaten, Gesellschaften und Institutionen. Sie ist nicht völkerrechtlich bindend, dient jedoch als normative Referenz für zahlreiche Debatten und Entwicklungen im Bereich ökozentrischer Rechtsansätze.

Die aktuelle Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt hin zur internationalen Anerkennung der Rechte der Natur auf Ebene der Vereinten Nationen. Sie zeigt, dass nationale Gesetzgebungen wie das panamaische Gesetz 287 zunehmend als Grundlage für globale politische Prozesse dienen können. Panama unterstreicht damit seine Rolle als Vorreiter eines neuen Rechtsverständnisses, das die Natur nicht nur schützt, sondern sie als lebendigen Trägerin eigener Rechte anerkennt.

Quellen

Ministerio de Ambiente de Panamá:
MiAMBIENTE impulsa una Declaración Universal de los Derechos de la Naturaleza ante la Asamblea General de la ONU.
Verfügbar unter: https://miambiente.gob.pa/miambiente-impulsa-una-declaracion-universal-de-los-derechos-de-la-naturaleza-ante-la-asamblea-general-de-la-onu/
Abgerufen am 13. 04. 2026.

United Nations Harmony with Nature Programme:
Harmony with Nature: Knowledge Network and UN Programme on Earth Jurisprudence.
Verfügbar unter: http://www.harmonywithnatureun.org/
Abgerufen am 13. 04. 2026.

For Nature Foundation:
Panama and For Nature sign strategic agreement to advance a Universal Declaration of the Rights of Nature.
Verfügbar unter: https://www.fornature.org/post/panama-and-for-nature-sign-strategic-agreement-to-advance-a-universal-declaration-of-the-rights-of-n
Abgerufen am 13. 04. 2026.

World Future Council:
Living in harmony with nature and future generations.
Verfügbar unter: https://www.worldfuturecouncil.org/p/living-in-harmony-with-nature-and-future-generations/
Abgerufen am 13. 04. 2026.

EcoJurisprudence Initiative:
Universal Declaration of the Rights of Mother Earth.
Verfügbar unter: https://ecojurisprudence.org/initiatives/universal-declaration-of-the-rights-of-mother-earth/
Abgerufen am 13. 04. 2026.

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