Viele Menschen fühlen sich den Rechten der Natur verbunden, weil sie der Natur etwas zurückgeben wollen. Das Engagement für den Schutz der lebendigen Mitwelt kann angesichts vieler Widerstände jedoch frustrieren und die eigenen Kräfte überfordern.
So erging es auch der Umweltaktivistin und Trainerin für Tiefenökologie Gabi Bott. Nach einem zweijährigen Training in Tiefenökologie in Deutschland ging sie im Jahr 2000 ein Jahr in die USA, um mit der kürzlich verstorbenen Joanna Macy zu arbeiten, die maßgeblich diese Arbeit entwickelt und in die Welt gebracht hat. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2001 ließ sie sich im Ökodorf Sieben Linden nieder, einem ökologischen Gemeinschaftsprojekt, das auf dem Prinzip der „Einheit in der Vielfalt“ beruht. Dort lebt sie bis heute, seit rund 25 Jahren, und bietet Workshops und Jahrestrainings in Tiefenökologie an.
Tiefenökologie
Die Tiefenökologie richtet den Blick nicht nur auf die Symptome ökologischer, sozialer und individueller Krisen. Sie stellt grundlegende Fragen nach den Ursachen dieser Krisen und Zerstörung in Politik, Gesellschaft und sich selbst. Zu ihren zentralen Einsichten gehören:
- die Anerkennung der gegenseitigen Abhängigkeit allen Lebens,
- der Wandel von einem mechanistischen zu einem systemischen Weltbild,
- das Schaffen sicherer Räume, in denen Menschen Trauer, Wut, Angst … angesichts der Zerstörung der Mitwelt ausdrücken können,
- das Verständnis, dass alle Lebewesen einen Eigenwert besitzen, unabhängig von ihrem Nutzen für den Menschen,
- die Praxis von Dankbarkeit und bewusster Präsenz,
- sowie die Verbindung mit der mehr-als-menschlichen Natur durch Zuhören und Einfühlen.
In ihren Workshops und Trainings arbeitet Gabi Bott unter anderem mit Ritualen wie dem „Konferenz des Lebens“ (Council of All Beings), in dem Teilnehmende aus der Perspektive nicht menschlicher Wesen sprechen.
Das fördert die Empathie für die Natur. Gabi Bott geht davon aus, dass wir in einer Zeit des Übergangs leben, ihre Lehrerin Joanna Macy drückte es so aus: „Wir sind Hebammen eines neuen Systems und Sterbebegleiter:innen des alten Systems.“