Jetzt ist die Menschheit also endlich auch hinterm Mond – und wir wissen jetzt auch, wie es aussieht, wenn – vom Mond aus betrachtet – die Erde aufgeht.
Doch was genau suchen wir dort oben?
Artemis II ist der Auftakt für die nächste „große Beschleunigung“. Die Erde ist uns zu klein geworden. Daher gibt es immer mehr staatliche und nichtstaatliche Akteure, die es kaum erwarten können, den Mond, den Mars und (wenn möglich) das gesamte Universum zu besiedeln. Der Weltraum ist (neben den Weltmeeren und den Polarregionen) zum Sehnsuchtsort globalen „Standortwettbewerbs“ geworden.
Das ist teuer.
Die Kosten allein für Artemis II liegen nach Expertenschätzungen bei rund vier Milliarden US-Dollar. Das Apollo-Programm (von 1961 bis 1972) hat insgesamt rund 28 Milliarden Dollar gekostet – das entspräche heute etwa 280 Milliarden. Angesichts der Tatsache, dass sich die drittgrößte Industrienation der Welt (Deutschland) sein Gesundheitssystem oder ausreichenden Klimaschutz kaum leisten kann, wirken die Kosten dieser ins Unermessliche wachsenden Weltraumträume wie ein Welt-Alptraum. Nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch: Jeder Euro, der heute ausgegeben wird, trägt einen viel zu großen ökologischen Rucksack. Wir leben, als hätten wir drei bis vier Erden zur Verfügung. Eine echte Entkopplung ist nicht in Sicht.
GRÖSSENWAHNSINN
Auf Artemis II sollen – so der Plan – weitere Missionen folgen, etwa Artemis III, IV, V, VI und VII usw. https://www.nasa.gov/humans-in-space/artemis/
Ziel ist die Vorbereitung einer dauerhaften Besiedlung des Mondes. Dieser Plan wird derzeit von vielen Großmächten und einer wachsenden Zahl von Unternehmen vorangetrieben, die daran verdienen wollen. Die Entwicklung von Transportern und Robotern, mit deren Hilfe der Mond besiedelt, erforscht und möglicherweise auch ausgebeutet werden soll, befindet sich bereits in der Testphase. Das lässt sich auf der NASA-Website nachlesen.
Die Besiedelung des Universums, von der manche Milliardäre träumen, wird also – wenn kein Wunder geschieht – die Lebensgrundlagen für uns Erdlinge (die Gemeinschaft aller menschlichen und mehr-als-menschlichen Lebewesen) weiter unter Druck setzen.
Schon heute befinden sich über 15.000 Satelliten im Weltraum. Sie versorgen uns mit Daten und Internet, helfen bei der Kriegsführung und bei der Beobachtung von Naturkatastrophen – und hinterlassen auch nach ihrem Lebensende Spuren. Die Globalvermüllung der Welt durch „mankind“ macht vor dem Weltraum nicht halt.
Das ist erst der Anfang.
„SpaceX hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC einen Antrag auf Genehmigung für weitere eine Million Satelliten im Orbit eingereicht. Ziel ist es, diese neue Satellitenflotte als orbitale Rechen- und Datenzentren einzusetzen, um Künstliche Intelligenz (KI) zu betreiben. Die Vision: eine Million Satelliten, die als orbitale Datenzentren agieren, als Schritt hin zu einer Zivilisation vom Typ Kardaschow II – einer Zivilisation, die die Energie ihres Sterns vollständig nutzt, KI-gesteuerte Anwendungen für Milliarden von Menschen ermöglicht und eine multi-planetare Zukunft der Menschheit unter den Sternen absichert.“
[1] https://klartext-raumfahrt.de/musk-1-million-satelliten-mehr/
Elon Musk, den viele für einen der Mitverursacher dieses Geschehens halten, hat für diesen Plan interessante Gründe. Das Buch „Muskismus“ von Quinn Slobodian liefert hier interessante Hinweise. Musk möchte offensichtlich den Geistern, die er selbst rief, entkommen. Seine Befürchtung: KI wird als Superintelligenz unser aller „ES“ repräsentieren – ein von der Menschheit selbst erschaffenes System, das deren destruktive Muster spiegelt. Wer möchte da schon noch auf der Erde bleiben?
- Mit etwas Distanz und mehr Boden unter den Füßen (wie die Schildkröte oben) fragen wir uns also: Wer sucht dort oben was? Und wen sollten wir überhaupt zum Mond schicken?
- Gibt es dort oben vielleicht Schönheit, Sinn, Lebendigkeit, Glück, Selbstwirksamkeit, Flow, Gemeinschaft, Würde – die wir hier auf Erden vermissen?
- Schicken wir Raketen zum Mond, weil wir den Boden unter den Füßen nicht mehr spüren – oder verloren haben? Weil wir die Erde als Zuhause nicht mehr ausreichend lieben und respektieren?
Bleibt zu hoffen, dass der eigentliche Sinn dieser „Mission“ am Ende nicht darin liegt, uns noch weiter von uns selbst und der Natur (deren Teil wir sind) zu entfremden, sondern dass sie uns hilft, auf der Erde wirklich anzukommen.
Die Mission lautet dann nicht „einmal hinterm Mond und zurück“ – sondern endlich …