Die Anerkennung der Rechte der Natur („Rights of Nature") gewinnt auch in Europa an Dynamik. Der Eco Jurisprudenz Monitor verzeichnet Anfang Juni 2026 RoN-Initiativen in 16 Ländern und auf der EU-Ebene. Davon mehr als acht neue Entwicklungen in den Jahren 2025 und 2026. Gesetzesvorschläge werden derzeit unter anderem in Frankreich, Irland, den Niederlanden, Portugal, Polen, UK und der Schweiz geprüft. Spanien hat mit den Rechten des Mar Menor bereits ein wegweisendes Einzelgesetz verabschiedet. Allein in Frankreich wurden binnen eines Jahres vier Gesetzentwürfe auf den Weg gebracht – darunter Vorschläge zum Schutz der Seine, der Loire und einen Vorschlag zur Verfassungsrechtlichen Verankerung der Rechte der Natur.
Bürgerbeteiligung als Schlüssel
„Einen solchen rechtlichen und ontologischen Wandel kann man nicht von oben nach unten durchsetzen", betonten Vertreter der Initiative. Entscheidend sei die emotionale Verbindung der BürgerInnen zur Natur. Die Wirksamkeit der Anerkennung der Rechte der Natur hänge unmittelbar vom Engagement der Menschen ab, die sich für „ihren" Fluss, Wald oder ihr Meer einsetzen.
Fallbeispiel Oder: Von der Katastrophe zum Gesetz
Wie erfolgreich Bürgerbewegungen sein können, zeigt das Beispiel der Oder. Nach der durch Industrie- und Bergbauverschmutzung ausgelösten toxischen Algenblüte im Jahr 2022 starben schätzungsweise bis zu 122 Millionen Fische sowie Millionen Muscheln und Schnecken. Als Reaktion formierte sich in Polen eine breite Bewegung: Ein 937 Kilometer langer Marsch entlang des Flusses, eine Unterschriftenkampagne mit fast 93.000 gültigen Stimmen und die Unterstützung von 253 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern führten dazu, dass am 25. März 2026 die erste Lesung eines Gesetzes zur Anerkennung der Oder als juristische Person im polnischen Parlament stattfand.
Forderung an die EU
Mit der Vorstellung im Europäischen Parlament und vor dem Hintergrund der EU-weiten Umsetzungsfristen appelliert die Initiative an die europäischen Institutionen, den rechtlichen Rahmen für die Anerkennung von Naturrechten zu schaffen. Eröffnungsbeiträge kamen von den Europaabgeordneten Marie Toussaint (Grüne/EFA) und Manuela Ripa (ÖDP/EVP) sowie dem Rechtsanwalt Thomas Wallentin (EBI-Koalition, Österreich). „Die Bewegung wächst", so das Fazit der Veranstaltung. „Der Schutz der Natur ist zugleich der Schutz der Menschheit – denn wir sind Teil der Natur."
Dowload der Präsentation (dt.) hier.
Über die Initiative
Die Europäische Bürgerinitiative „Rechte für die Natur" wird von einem Bündnis aus fünfzehn Umweltorganisationen, Rechtsexperten und Bürgerbewegungen aus ganz Europa getragen. Weitere Informationen: https://rightsfornature.eu
Pressekontakt in Deutschland: Christine Ax, info@rechte-der-natur.de , 0049 151 26691150.