Diese Pressemitteilung ist auch auf lifePR unter dem Titel „Europäische Bürgerinitiative heute gestartet“ erschienen.
(Berlin/Hamburg, 13.10.2026)
Heute startet in den meisten EU-Mitgliedstaaten die Europäische Bürgerinitiative „Rights for Nature“. Die Initiative fordert die Europäische Kommission auf, Ökosysteme als Rechtsperson anzuerkennen und allen Bürger*innen Europas die Möglichkeit zu geben, die Rechte dieser Ökosysteme zu vertreten. In Deutschland wird der Start mit einer öffentlichen Auftaktveranstaltung an der Spree in Berlin gefeiert. An immer mehr Orten setzen sich Bürger*innen für die Rechte von Flüssen und den Übergang zu einer ökologischen Verfassung ein.
Die Europäische Bürgerinitiative hat zwölf Monate Zeit, eine Million Unterschriften zu sammeln.
Dabei ist es wichtig, in mindestens sieben EU-Mitgliedstaaten Mindestschwellen zu erreichen.
Gelingt dies, muss sich die Europäische Kommission formell mit der Initiative befassen. Auch in Deutschland stellt sich die Frage, wie das deutsche Recht weiterentwickelt werden kann.
„Die weltweite Bewegung für die Rechte der Natur ist in Europa angekommen. Gemeinsam mit Partnern aus 15 weiteren Ländern wollen wir jetzt europäisches Recht verändern. Unternehmen haben eigene Rechte, warum nicht auch Flüsse, Wälder und Seen? Angesichts des Zustands vieler Ökosysteme ist es höchste Zeit, einen neuen Ansatz zu verfolgen und die Menschen mit einzubeziehen“, sagt Emmanuel Schlichter, Rechtsanwalt und Mitinitiator der Europäischen Bürgerinitiative.
„Wir Bürgerinnen und Bürger wollen und können Verantwortung für die lebendige Welt übernehmen, deren Teil wir sind. Es geht um eine Beziehung, die von Fürsorge und gegenseitiger Verantwortung getragen wird. Die Europäische Bürgerinitiative eröffnet uns die Chance, dass diese Verantwortung in europäisches Recht übersetzt werden könnte, um damit noch wirksamer für die Natur einsetzen zu können. Wer die Rechte der Natur stärkt, stärkt auch unsere Fähigkeit, Zukunft zu gestalten“, ergänzt Dr. Ute Blohm-Hieber, Vorständin des Netzwerks Rechte der Natur e. V.
Ab dem 13. Oktober können alle wahlberechtigten EU-Bürger*innen die Initiative unterstützen. Informationen und den Zugang zur offiziellen Unterschriftensammlung gibt es unter www.rightsfornature.eu.
Die vom Netzwerk Rechte der Natur von Anfang an unterstützte und mitgestaltete Initiative fordert, die Rechte von Ökosystemen auf Leben und Wiederherstellung anzuerkennen und ihnen Rechte zuzusprechen. International gibt es bereits zahlreiche Beispiele für die Anerkennung von Rechten der Natur. Ein europäisches Vorbild ist die spanische Lagune Mar Menor, die seit 2022 als Rechtsperson anerkannt ist.
Deutschlandweit stehen inzwischen die Rechte von immer mehr Flüssen im Mittelpunkt: die Spree, der Lech, die Isar, die Loisach, die Pader, die Oder und die Weser. An vielen Orten engagieren sich Menschen für die Anerkennung der Rechte der Natur. Dabei geht es nicht darum, Ökosystemen Menschenrechte zu verleihen. Vielmehr sollen sie eigene, ihrer Natur entsprechende Rechte erhalten – insbesondere auf Existenz, Regeneration und Wiederherstellung. Bürger*innen sollen die Möglichkeit haben, ihren Schutz einzuklagen.
Auf parlamentarischer Ebene gibt es gleichermaßen viel Bewegung: Im österreichischen Parlament haben sich alle Umweltanwaltschaften für die Rechte der Natur ausgesprochen. In Großbritannien wurde im Oberhaus das „Natures Rights Bill“ diskutiert. Auch in Frankreich ist das Thema im Parlament angekommen.
In Deutschland wirbt seit 2022 das Netzwerk Rechte der Natur für eine Verankerung der Rechte der Natur im Grundgesetz. Eine Übersicht über die Entwicklung der Rechte der Natur ist auf der Karte der Rechte der Natur zu finden. Weitere Informationen bietet www.rechte-der-natur.de.
Zum Start der EBI in Deutschland findet am 13. Oktober in Berlin an der Spree ab 19 Uhr ein Treffpunkt an der Oberbaumbrücke statt. Von dort geht es gemeinsam entlang der Spree zur Tante Emma, Köpenicker Straße 1, 10997 Berlin. Dort stehen Vertreter*innen der EBI Deutschland für Presseanfragen, Interviews und Hintergrundgespräche zur Verfügung.
Unterschrieben werden kann ab dem 13. Oktober auf der Kommissionswebsite. Der Link zur Kommissionsseite ist auch auf www.rightsfornature.eu zu finden.
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Hintergrund
Die Europäische Bürgerinitiative „Rights for Nature: Empower Citizens to Represent and Protect Ecosystems“ wurde am 19. Mai 2026 von der Europäischen Kommission registriert. Die Unterschriftensammlung läuft vom 13. Oktober 2026 bis zum 12. Oktober 2027. Die Initiative fordert die Europäische Kommission auf, einen Vorschlag für europäische Rechtsvorschriften vorzulegen, mit denen Ökosysteme als Rechtsträger mit eigenem Wert und grundlegenden Rechten anerkannt werden. Dazu gehören insbesondere die Rechte, zu existieren, natürliche Kreisläufe zu regenerieren und nach Schädigungen wiederhergestellt zu werden. Zugleich soll ein Mechanismus geschaffen werden, durch den Bürger*innen und Gemeinschaften Ökosysteme rechtlich vertreten können.
Die Initiative wird vom Verein Rechte der Natur e. V. (Berlin), den deutschlandweit agierenden Akteur*innen des Netzwerks Rechte der Natur e. V., europäischen Partner*innen in 16 EU-Mitgliedstaaten sowie dem europäischen Hub der Global Alliance for the Rights of Nature (GARN) getragen.
Die Europäische Bürgerinitiative ist ein Instrument der partizipativen Demokratie der Europäischen Union. Erreicht eine Initiative innerhalb von zwölf Monaten eine Million gültige Unterstützungsbekundungen und die erforderlichen Mindestzahlen in mindestens sieben Mitgliedstaaten, muss sich die Europäische Kommission nach erfolgreicher Einreichung mit ihr befassen. Die Organisator*innen werden von der Kommission empfangen und erhalten eine öffentliche Anhörung im Europäischen Parlament. Anschließend muss die Kommission ihre rechtlichen und politischen Schlussfolgerungen darlegen. Sie ist jedoch nicht verpflichtet, einen Gesetzesvorschlag vorzulegen.